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Banker fürchten das Kredit-Diktat

Von Christoph Pauly und Anne Seith, Frankfurt am Main

 

 

Schweizer gelten als Hardliner

 

Fachmann McGuire von Barclays Capital findet, die Regulierungspläne seien immer noch scharf genug. Die Beschlüsse vom Juli bedeuten nach seinen Berechnungen trotzdem eine "bedeutende Entlastung" für die 35 größten US-Banken. Statt 225 Milliarden Dollar würden ihnen nun durch Basel nur noch 115 Milliarden Dollar an Eigenkapital und liquiden Mitteln fehlen.

Europäische Banker können sich ebenfalls freuen: Auch sie profitieren von neuen Ausnahmen. So gibt es bei der Kapitalberechnung jetzt Sonderregeln für die Berücksichtigung bestimmter Steuergutschriften, die beispielsweise in der Bilanz der Deutschen Bank immerhin mit sieben Milliarden Euro stehen.

Trotzdem mauert Deutschland. "Ein Land hat noch Vorbehalte", hieß es in einer Abschlusserklärung nach den letzten Beratungen: Jochen Sanio, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), und Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler, der in Vertretung seines Chefs Axel Weber gekommen war, hatten ihren Segen verweigert. Seitdem müssen sie sich gegen das Blockiererimage wehren.

Die deutsche Delegation in Basel ist in einer unangenehmen Lage. Auch sie will strengere Regeln: "Wir brauchen einen Standard, der hoch ist", heißt es. Doch klar ist auch: Höhere Kapitalanforderungen werden vor allem die vielfach kleinen und nicht besonders gut ausgestatteten deutschen Banken hart treffen.

 

Fehlen bald 200 Milliarden Euro?

Angelsächsische Großkonzerne wie die HSBC  oder die US-Bank Citigroup  können höhere Kapitalanforderungen sehr viel besser wegstecken. Weil politisch in den von der Finanzkrise besonders gebeutelten Ländern außerdem ein Signal gesetzt werden soll, gelten Briten und Amerikaner in Basel als raffiniert im Detail und als unerbittlich im Grundsatz. Gleiches gilt für den Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand und seine Mitstreiter.

 

In Hildebrands Heimat liegen die Grenzen für die Großbanken derzeit um 50 bis 100 Prozent über internationalem Standard. Auch die leverage ratio, über die in Basel diskutiert wird, ist bei den Eidgenossen längst Realität. Strengere globale Regeln könnten diesen Wettbewerbsnachteil wenigstens teilweise wieder ausgleichen.

 

So stehen in Basel Vorschläge im Raum, durch die sich die Kapitalanforderungen von derzeit acht Prozent fast verdoppeln könnten. Klar ist jedenfalls jetzt schon, dass sich die Mindestquote für hartes Kernkapital von derzeit zwei auf mindestens vier Prozent erhöhen wird. Außerdem sind neue Puffer aus Kernkapital im Gespräch, die je nach Wirtschaftslage abgeschmolzen beziehungsweise aufgestockt werden sollen.

 

Derzeit wird weltweit noch einmal neu gerechnet, welche Auswirkungen die Pläne für die Banken und Länder haben könnten. Bei Bundesbank und BaFin hofft man offenbar, dass sich angesichts der Ergebnisse aus diesen Kalkulationen noch mehr Länder auf die deutsche Seite stellen werden. Die Investmentbank Nomura  hat bereits ausgerechnet: Rund 200 Milliarden Euro könnten in Europa bei den 16 größten Banken schon wegen der härteren Kernkapitaldefinition fehlen. Solche Zahlen sollten übergroße Regulierungswut abschwächen, so die Hoffnung auf deutscher Seite.

 

Bloß nicht umschulden!
Hohe politische Kosten
Erstens ist das Programm nicht nur zweifellos ehrgeizig, sondern durchaus auch realistisch. Ausgehend von einem vorsichtigen (also mit gewissen Aufwärtsrisiken für das Wachstum behafteten) makroökonomischen Szenario ist eine nachhaltige Schuldendynamik integraler Teil des im Programm vorgezeichneten Haushaltskonsolidierungspfads. Die Verwirklichung der aufgestellten Haushaltsziele wird durch grundlegende Budgetreformen erleichtert.
Zweitens zielen die in das Programm eingebetteten umfassenderen Strukturreformen darauf, Griechenlands mittelfristiges Wachstumspotenzial zu stärken, und fördern so eine tragfähigere Schuldenentwicklung. Ferner werden die öffentlichen Haushalte durch die Rentenreform nachhaltig entlastet.
Drittens neigen diejenigen, die sich für eine Umstrukturierung der griechischen Schulden aussprechen, dazu, die damit verbundenen gewaltigen wirtschaftlichen und politischen Kosten zu unterschätzen. Die Folgewirkungen für die griechische Wirtschaft und für das Finanzsystem des Landes wären gravierend. Darüber hinaus hätte dies negative Konsequenzen für den Euro-Raum wie für die Weltwirtschaft.
Auch was die politischen Kosten betrifft, wäre der Schaden nicht nur für Griechenland beträchtlich, sondern genauso für den Euro-Raum und die EU. Dies kann und muss vermieden werden.
Auch wenn Glaubwürdigkeit nicht von heute auf morgen wiedergewonnen werden kann, sind dennoch bereits erste Anzeichen erkennbar, dass sich die Stimmung an den Märkten gegenüber Griechenland ändert. Ich bin zuversichtlich, dass im Zuge des fortschreitenden Anpassungsprozesses die Risikoeinschätzung abnehmen wird. Das dürfte Athen die Rückkehr zu einem normalen Marktzugang erleichtern. Dies wird auch Befürchtungen zerstreuen, die positiven Auswirkungen des Programms könnten letztlich durch eine Umstrukturierung der Schulden wieder zunichtegemacht werden.
Die Staatsverschuldungskrise hat systemische Schwächen in der wirtschaftlichen Steuerung der EU offengelegt. Daraus müssen wir Lehren ziehen und diese Schwächen beheben, um ähnliche Krisen künftig zu vermeiden.
Die Kommission hat Vorschläge für eine Verbesserung ihrer Wirtschaftspolitik vorgelegt. Die präventive haushaltspolitische Überwachung soll verstärkt und ein Rahmen für die Bekämpfung absehbarer makroökonomischer Ungleichgewichte geschaffen werden. Für den Fall, dass präventives Handeln nicht greift, soll ein Mechanismus zur Krisenbewältigung eingerichtet werden.
Nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes markiert die griechische Krise einen Wendepunkt. Sie hat auch einen entscheidenden Impuls gegeben, die systemischen Schwächen der wirtschaftlichen Governance im Euro-Raum und in der EU anzugehen. Dies wird die Funktionsfähigkeit der Wirtschafts- und Währungsunion verbessern und ihre Stabilität erhöhen. source : Financial Times Deutschland

 




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